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Dein Freund, der Roboter

Start-up im TCC will Planung, Inbetriebnahme und betriebliche Flexibilität von Robotik-Projekten beschleunigen.

In Südkorea kamen 2025 auf 10.000 Beschäftigte etwa 1.220 Industrieroboter. Deutschland liegt im Ranking der Roboterdichte weltweit auf Platz 3 – mit 449 Einheiten auf 10.000 Beschäftigte. In Asien, Europa und Nordamerika nimmt die Roboterdichte stetig zu. Umso wichtiger ist, dass Roboter und Mensch effizient und sicher zusammenarbeiten. Darum kümmert sich das im Chemnitzer „Start up“-Gebäude des TCC angesiedelte Unternehmen Botfellows.

Die Geschichte von Botfellows beginnt eigentlich schon vor 20 Jahren. Da absolviert Mohamad Bdiwi, Jahrgang 1985, ein Studium der Elektrotechnik und Automatisierungstechnik im syrischen Aleppo. „Schon damals habe ich verstanden, dass die Robotik ein Gamechanger in der Industrie sein wird – und diese technische Revolution wollte ich mitgestalten.“ Also geht er ins Land des Maschinenbaus – nach Deutschland. 2008 startet er seine Promotion an der TU Chemnitz, 2014 schließt er sie ab. Bereits 2013 beginnt er am benachbarten Fraunhofer Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik (IWU) mit dem Aufbau der Robotik-Kooperation, prägt im Fortgang die Entwicklung des Bereichs der kollaborativen Robotik maßgeblich. 2017 wird er Leiter der neu geschaffenen Abteilung für Kognitive Mensch-Roboter-Kollaboration im IWU, entwickelt dort mit einem interdisziplinären Team über mehrere Jahre innovative Technologien für die sichere und flexible Zusammenarbeit von Mensch und Roboter – die Keimzelle fürs spätere Unternehmen.

„Mit der Einbindung bei Fraunhofer erweiterte sich unser Blick von der theoretischen Forschung hin zur betrieblichen Anwendung. Das war die Chance, die von uns entwickelten Technologien und Algorithmen in die Praxis zu bringen“, berichtet Bdiwi. „Ich erinnere mich noch an die strahlenden Augen von Industriekunden, wenn wir ihnen unser Know-how gezeigt haben – und sie sich die Frage gestellt haben: Funktioniert das auch bei uns?“

Doch zugleich habe sich mit zunehmender Zeit bei vielen Kunden der Wunsch manifestiert, nicht das nächste Forschungsprojekt zu werden, sondern eine fertige Anwendung kaufen zu können, am besten mit Garantie und Gewährleistung: die Initialzündung für Botfellows. 2022 reift der Entschluss zu einer Ausgründung heran, zum Jahresende hin stellt Bdiwi potenziellen Teammitgliedern die Frage: Wollen wir das wirklich tun? Die Stabilität und Sicherheit der unbefristeten Arbeitsplätze bei Fraunhofer verlassen, um in eine zwar aussichtsreiche, aber doch auch risikobehaftete Unternehmensgründung zu gehen? Das Feedback fiel deutlich zugunsten der Gründung aus.

Seitdem fokussierten sich fünf Fraunhofer-Kollegen mit Unterstützung des Instituts auf das Ziel eigenes Unternehmen. Sie beantragten erfolgreich eine Förderung beim bundesweiten Transfer- und Gründungsprogramm EXIST, entwickelten ihre Produkte, bereiteten die Unternehmensstruktur vor. „Bei Robotik-Projekten gibt es drei Phasen: die Planung, die Inbetriebnahme und den eigentlichen Betrieb. In jeder Phase gibt es Effizienzhindernisse. Hier setzen wir an“, erläutert Bdiwi, heute CEO der Botfellows GmbH.

Um das zu verstehen, muss man kurz in die Gegenwart der Robotik blicken. Punkt 1: Die meisten der weltweit eingesetzten Roboter arbeiten heute noch in Käfigen. Da sie schwer, stark und einmal angelaufen verhältnismäßig unflexibel sind, ist das nötig: Sie könnten mit ihrer Kraft Menschen gefährden – deshalb haben sie einen Schutzraum mit Sicherheitsabständen zu menschlichen Mitarbeitern. Ein Raum, der kostet: Der Sicherheitsabstand ist toter Raum, verlängert zugleich Transportwege und erhöht damit die Taktzeiten – ist also doppelt ineffizient.

Punkt 2: Auch die Programmierung eines Roboters ist (noch) relativ aufwändig. Er ist dafür gemacht, immer wieder die gleiche eintönige Routine durchzuführen, am besten Millionen Male – dann ist er effizient. Bei zunehmender Flexibilisierung der Industrie stößt er hingegen an Grenzen: Bei kleinster Veränderung des Produkts muss er neu eingestellt werden – das bedeutet die Unterbrechung der Produktion, Stillstand.

Für diese Probleme bietet Botfellow Lösungen. Da ist zum einen die Software Safety Twin für die Planungsphase: Ein neuer Roboter erhält einen digitalen Zwilling – anhand dieses 3D-Modells kann dann eine Gefährdungsanalyse inklusive aller notwendigen technischen Dokumentationen zur Risikobeurteilung erstellt werden. Das soll Planungsphasen verkürzen.

Für die Inbetriebnahme von Robotern bietet Botfellows ein weiteres Software-Modul: Robcraft. KI-basiert unterstützt es bei der Integration neuer Bewegungsabläufe, insbesondere bei Standardapplikationen wie Schweißen, Entgraten, Schleifen oder Lackieren. „Das funktioniert unabhängig vom Hersteller und ohne spezielle Programmierkenntnisse. So beschleunigt es die Inbetriebnahme erheblich“, so der Botfellows-CEO.

Das dritte Produkt, Dynamic Safety, ist eine Kombination von Soft- und Hardware – es ist die Sicherheitslösung für die Mensch-Maschine-Kollaboration. „Erstmals definieren wir keine festen Sicherheitsräume, sondern präsentieren eine intelligente, dynamische Lösung“, erläutert Bdiwi. Dadurch können bestehende Produktionsflächen ohne zusätzliche Schutzzäune genutzt und die Produktivität der Anlage deutlich gesteigert werden. „Der Roboter stellt in Echtzeit fest, ob sich Menschen im Sicherheits-, im Gefährdungs- oder im Kooperationsbereich befinden – und passt daraufhin seine Arbeitsgeschwindigkeit an.“ Auch dieses System lässt sich herstellerunabhängig an jeden Industrieroboter andocken.

Das Feedback aus der Industrie auf die modularen Lösungen sei bereits jetzt sehr gut, erklärt Bdiwi. Kunden finden sich in vielen Branchen, aktuell arbeite man viel in Projekten im Kommissionierungs- und Logistikbereich. Der Erfolg lässt sich auch in Zahlen ausdrücken: Aus dem fünfköpfigen Gründerteam ist innerhalb eines Jahres ein Unternehmen mit 13 Mitarbeitenden geworden – finanziert aus eigenen Erträgen. „Wenn man eine Top-Anstellung verlässt, wie wir sie hatten, dann nicht, um ein kleines Unternehmen aufzubauen“, sagt Bdiwi zwar leise, aber selbstbewusst: „Unser Ziel ist, dass wir in fünf Jahren mit allen führenden Roboterherstellern und Systemintegratoren zusammenarbeiten und global aufgestellt sind.“ Denn Roboter gibt es schließlich nicht nur in Deutschland und Europa.

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