Technologie-Campus 1
09126 Chemnitz
Telefon: +493715347704
Telefax: +493715347705

Drohneneinsatz auf dem Feld

Mit dem Gründerzentrum am Brühl fokussiert das Technologie Centrum Chemnitz vor allem auf Nutzer, denen Innenstadtnähe und auch sonst eine gute Infrastruktur im Büro wichtig sind. Einer davon ist Fabian Naumann, Mitgründer der Apus Systems.

Die DDR in den frühen 1970er Jahren: Auf den riesigen Flächen der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) werden in großem Umfang Dränagesysteme zur Entwässerung der Böden angelegt. Rund 25 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Flächen werden auf diese Weise ertragreicher gemacht, koordiniert von Meliorationskombinaten.

Ostdeutschland in den frühen 1990er Jahren: Die Eigentums- und Bewirtschaftungsstrukturen ändern sich grundlegend. Viele landwirtschaftliche Flächen, die nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs bei der Bodenreform enteignet und später in die LPGs eingebracht worden waren, gingen an frühere Eigentümer oder deren Erben zurück. Zugleich wurden die bezirksweiten Meliorationskombinate abgewickelt – aus einzelnen Bereichen entstanden private Tiefbauunternehmen. Mit dem Ende dieser Strukturen verschwand auch das DDR-weite Meliorationskataster, das seit 1975 bestanden hatte.

Finden, was in der Erde liegt

Von der speziellen ostdeutschen Landwirtschaftsgeschichte profitiert heute die Apus Systems: „Landwirte müssen wissen, wo auf ihren Feldern Dränagesysteme verbaut sind. Wir können ihnen auf unterschiedlichen Wegen zu diesem Wissen verhelfen, indem wir Dränagesysteme detektieren“, erklärt Fabian Naumann, Chemnitzer Inhaber des in Dresden angesiedelten Unternehmens.

Das Wissen über den Verlauf alter Dränagesysteme ist unverzichtbar. Die oft kilometerlangen Rohre, Schächte und Abflüsse müssen instand gehalten werden – zumal sie vielerorts seit Jahrzehnten im Boden liegen. Kaputte oder verstopfte Dränagesysteme können zu Vernässung und damit zu Ernteausfällen führen oder Flächenstilllegungen notwendig machen: „Das sind erhebliche Risiken angesichts des Preisdrucks, unter dem landwirtschaftliche Betriebe stehen“, so Naumann. Zugleich wächst die Konkurrenz um landwirtschaftliche Flächen. Ob beim Ausbau von Solar- und Windkraftanlagen oder beim Bau von Stromtrassen: Für Planung und Umsetzung muss man wissen, wo Dränagesysteme verlaufen, damit Fundamente, Tiefbauarbeiten oder schwere Maschinen sie nicht beschädigen.

Das notwendige Wissen besorgen Naumann und sein Kompagnon Mario Hehne auf ganz unterschiedlichen Wegen. Zum einen studieren der Geograf Hehne und der Kartograf Naumann historisches Kartenmaterial – wenn heute ein Feld an einer Stelle liegt, die in einer alten Karte noch Sumpf oder Feuchtwiese war, sei es wahrscheinlich, dass hier entwässert wird. Auch 3D-Geländemodelle könnten helfen, natürlichen Wasserfluss nachzuvollziehen und „unnatürliche“ Bewegungen aufgrund des menschlichen Eingriffs zu detektieren. Eine weitere wichtige Dienstleistung besteht darin, sich auf die Suche nach den Plänen der DDR-Meliorationskombinate zu begeben. Oft könne man in Nachfolgebetrieben fündig werden.

Doch auch die Arbeit direkt im – oder besser: auf dem Feld gehört zu Apus Systems. Sie fertigen per Drohne Luftbildaufnahmen von landwirtschaftlichen Flächen an und analysieren diese. Vor allem im Frühjahr und Herbst kann man am Wachstum und der Farbe von Getreidepflanzen auf einem Feld erkennen, wo Entwässerungsrohre liegen. Von dieser technischen Herangehensweise – dem Drohnenflug – ist auch der Unternehmensname abgeleitet: Apus apus, das ist der lateinische Name des Mauerseglers. Außerhalb der Brutzeit hält er sich etwa zehn Monate fast ohne Unterbrechung in der Luft auf – wie die Drohnen des Unternehmens.

Das auf Archivarbeit und Drohnenflügen basierende Wissen über vorhandene Entwässerungssysteme stellt Apus Systems seinen Kunden digital zur Verfügung – per App auch direkt auf dem Feld offline abrufbar. Zudem entwickelt das aktuell vierköpfige Unternehmen, das anfangs durch ein Exist-Gründerstipendium und später durch einen SAB-Gründerkredit gefördert wurde, die Plattform Melioration24.com, ein digitales Dränagekataster. Das Projekt wurde durch die Thüringische Aufbaubank im Rahmen einer Europäischen Innovationspartnerschaft zur Förderung von Innovationen in der Landwirtschaft unterstützt und wird inzwischen an Kunden bundesweit ausgeliefert.

Die Entwicklung von Melioration24 obliegt vor allem Fabian Naumann – eine Arbeit, die der Chemnitzer zunächst vor allem im Home-Office absolvierte. „Vor gut anderthalb Jahren entstand in der Familie und bei mir selbst der Wunsch, dies an einem anderen Ort zu tun“, erzählt er. Fündig wurde der Unternehmer im Gründerzentrum am Brühl der Technologie Centrum Chemnitz GmbH: „Hier gibt es kleine, aber infrastrukturell sehr gut ausgestattete Büroeinheiten mit 24/7-Zugang, Drucker, Teeküche und Glasfaseranschluss.“ Zudem sei das Büro für ihn fußläufig zu erreichen und preislich attraktiv: „Für mich ist das im Moment die beste Lösung“, sagt er.

Freiraum für Ideen

In Altbauten an der Georg- und der Karl-Liebknecht-Straße, unweit vom Omnibusbahnhof und der Universitätsbibliothek, betreibt das TCC mehrere Gewerbeeinheiten als Gründerzentrum am Brühl. Kern ist eine 300 Quadratmeter große Büroeinheit mit mehreren Einzel- und Doppelbüros zwischen elf und 22 Quadratmetern sowie einer 100 Quadratmeter großen Gemeinschaftsfläche. Hinzu kommen drei weitere, jeweils eigenständige Geschäftseinheiten, die jeweils mit eigener Küche, Sanitärbereich und teilweise ESD-Fußboden ausgestattet sind. Die Flächen bieten sich vor allem für Kreativarbeiter mit geringem oder zeitlich begrenztem Flächenbedarf zur Nutzung an.

Zur Übersicht
Technologie-Campus 1
09126 Chemnitz
Telefon: +493715347704
Telefax: +493715347705